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Thought Leadership

Der CIO der Zukunft heißt Chief Efficiency Officer

Gabriel Andrade
Der ständige Wandel der Banken, zunehmender Wettbewerbsdruck und die wachsende Zentralisierung der IT-Landschaft erfordern ein neues Verständnis im Management. Der Chief Information Officer (CIO) von heute wird sich daher in Zukunft immer mehr in Richtung eines Chief Efficiency Officers (CEFO) mit erweiterter Vorstandsverantwortung entwickeln. Er ist nicht länger der speziell durch Business-Wissen geprägte CIO, als vielmehr der Business-Manager mit exzellentem Geschäftsprozess-Know-how.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Egon Zehnder International durchgeführt hat. Für diese Studie wurden 20 CIOs von großen Banken und Versicherungen in Deutschland interviewt. Dabei zeigte sich, dass zukünftige CIOs eher veränderungsorientierte Business-Treiber sein werden, die auch die Umgestaltung der Organisationsstruktur voranbringen. Dazu muss der CIO seine Führungsrolle und seinen Verantwortungsbereich verändern. Wie die Untersuchung ergab, wird es die Position des klassischen CIOs in einigen Jahren nicht mehr geben. Der CIO der Zukunft heißt CEFO und wird neben der IT-Organisation auch einen Geschäftsbereich mit wesentlicher IT-Bedeutung verantworten.

Darüber hinaus ist ein klarer Trend in Richtung Zentralisierung der IT-Aktivitäten zu erkennen. Anfang der 90er Jahre ist IT exorbitant explodiert; es war wichtig, schnell zu reagieren. Mittlerweile sind die Standards gesetzt, ist die Infrastruktur stabil, während gleichzeitig der Kostendruck massiv zunimmt. Die heute Situation verlangt nach einer erhöhten Effizienz, die sich am besten durch Zentralisierung erreichen lässt. Hier liegt auch die erste Herausforderung für den CIO.

Wir haben drei Entwicklungsstufen ausgemacht, in denen sich Unternehmen hinsichtlich ihres CIOs befinden können. Von den CIOs erfordern diese Phasen sehr unterschiedliche Kompetenzen:

  • Phase 1: zeichnet sich durch Dezentralisierung und reine IT-Verantwortung der CIOs aus
  • Phase 2: zeichnet sich durch IT-Zentralisierung aus
  • Phase 3: zeichnet sich durch Geschäftsverantwortung der CIOs aus

Abbildung 1: Werte-Matrix


In Phasenschritten vom CIO zum CEFO

Die CIOs der Phase 1 sind in der Regel durchsetzungsstark, haben ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Verständnis der Kundenbedürfnisse, sind kunden- und marktorientiert und verfügen über eine hohe strategische Kompetenz. Allerdings zeigt die Studie, dass eine Maximierung des Wertbeitrages der IT in einer solchen Struktur nicht optimal gewährleistet ist. Deshalb haben sich die meisten Unternehmen konsequent in Richtung Phase 2 verlagert.

Die CIOs der Phase 2 führen meist eine weltweit zentralisierte IT-Abteilung, in der die dezentralen IT-Verantwortlichen direkt an den globalen CIO berichten. Sie zeigen zudem ein sehr hohes Maß an Führungskompetenz und Vertrauenswürdigkeit, außerdem verfügen sie über eine überdurchschnittlich ausgeprägte Ergebnisorientierung.

Die CIOs der Phase 3 bezeichnen wir als CEFO. Sie haben das für diese letzte Phase notwendige Profil und gelten deshalb als CIOs der Zukunft. Sie sind nicht mehr die klassischen CIOs mit Geschäftsverständnis, sondern erfahrene, universell denkende und agierende Business Manager mit solidem Prozess- und technischem Verständnis. Sie gehören dem Vorstand an und tragen eigene Geschäftsverantwortung. Vom CEFO wird erwartet, dass er wesentliche Veränderungsprozesse konzernweit initiiert und voranbringt – deshalb muss er ein überdurchschnittliches Maß an Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit haben. Kurz: CEFOs denken und handeln ganzheitlich über alle Funktionen und Geschäftseinheiten eines Konzerns hinweg. Sie sind bereit und in der Lage, den Status quo in Frage zu stellen. Sie kommen aus dem operativen Geschäft und sind mit den Kernprozessen des Unternehmens gut vertraut.

Rolle und Position des neuen CEFOs

Zusammengefasst sieht die Position des neuen CEFOs folgendermaßen aus:

  • Er ist Mitglied des Zentralvorstandes mit umfassender Vorstandsverantwortung und ausgeprägten Accountability-Fähigkeiten
  • Er führt eine zentrale IT-Organisation mit umfassender Budget-Verantwortung.
  • Er übernimmt zusätzliche Verantwortung für einen Geschäftsbereich mit wesentlicher IT-Bedeutung und -abhängigkeit. Dies bedeutet eine zusätzliche Verantwortung für das Kerngeschäft bzw. Geschäftsprozesse, die eng mit der IT verbunden sind und innerhalb der Bankorganisation einen hohen Umsatz- bzw. Ergebnisbeitrag leisten.
  • Der CEFO ist ein Manager mit universellen Eigenschaften, einem ausgeprägten Marktverständnis sowie einem soliden IT-Verständnis. Zudem verfügt er über strategischen Scharfsinn und unternehmerischen Drive, Führungsqualitäten, Persönlichkeit mit Charisma sowie Erfahrungen in einem internationalen Umfeld und interkulturelle Gewandtheit.

Die meisten heutigen CIOs sind von diesem Wunschbild aber noch weit entfernt, zumal es eine sehr hohe Entwicklungsfähigkeit und -bereitschaft erfordert, um sich als CIO von einer Phase zur nächsten zu bewegen. Dieser Reifeprozess kann nur gelingen, wenn CIOs wirklich kritisch mit sich selbst sind und gnadenlos eigene Kompetenzlücken aufdecken. Und anschließend hart daran arbeiten, diese Lücken zu schließen. Ideal ist eine Kombination aus sauberer Analytik und einem guten Verständnis für das Business. Sehr förderlich ist auf jeden Fall eine hohe Vielfalt der Erfahrungen. Für die CIOs, die bisher eine Kaminkarriere hinter sich haben, ist es deshalb sehr schwierig, da sie meist zu schmal aufgestellt sind.

Abbildung 2: Der CIO-Wandel von Phase 1 zu 3 erfordert eine Kompetenzveränderung


Die Ergebnisse der Studie lassen keine Zweifel daran, dass der CEFO kommen wird: Insgesamt etwa 80 Prozent der Unternehmen im Banken- und Versicherungsbereich haben bereits die Weichen für eine entsprechende Entwicklung gestellt, und einige haben die Phase 3 bereits erreicht.