Egon Zehnder
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Es gab Zeiten, in denen Fußball eine Sache des Rennens und Kämpfens war. „Deutsche Tugenden“ zu besitzen hieß: Wenn die Begabung nicht reichte, sollte zumindest die Einstellung stimmen, damit man selbst nach einem miserablen Spiel als Sieger vom Platz ging. Die sportliche Entwicklung der letzten Jahre allerdings hat den bewährten Hauruckfußball infrage gestellt. Ein neues, ganzheitliches Modell ist entstanden, in dem nicht nur unterschiedlichste Spielertypen Platz finden, sondern Diversität und kreative Abweichung geradezu Voraussetzung für den Erfolg sind. Von Paul Ingendaay

DER AUTORITÄRE Schleifer alter Schule hat ausgedient. An seine Stelle ist der psychologisch geschulte Trainer getreten, der von seinem Team genauso viel lernt wie das Team von ihm. Erst auf diese Weise entsteht Motivation, die zu Pokalen führt.

Von allen großen Mannschaften, die in den letzten Jahrzehnten Aufsehen erregten, hat keine mit ihrem Stil so revolutionär gewirkt wie der FC Barcelona. 14 nationale und internationale Titel errang „Barça“ von 2008 bis 2012, in der Etappe des Trainers Josep „Pep“ Guardiola, darunter dreimal die spanische Meisterschaft, zweimal die Champions League, zweimal den europäischen Supercup und zweimal die Weltmeisterschaft der Vereinsmannschaften. Bei einem dieser Endspiele, im Dezember 2011, düpierte der FC Barcelona in Yokohama den brasilianischen Meister FC Santos mit 4 : 0. Noch nie wurde ein Team so einmütig als „beste Mannschaft der Welt“ gefeiert. Drei seiner Stars – Lionel Messi, Andrés Iniesta und Xavier Hernández – belegten 2010 die ersten drei Plätze bei der Verleihung des „Ballon d’Or“, der höchsten individuellen Auszeichnung, die der Weltfußball zu vergeben hat.

Doch es ist nicht allein der Erfolg, der Fußballfans rund um den Globus in den Bann des Barça-Stils zieht; es ist die ästhetische Schönheit des Spiels. Und darin liegt bis heute etwas Magisches, selbst wenn sich die unglaubliche Passfrequenz – mehr als 600 gelungene Zuspiele pro Partie – per Trackingsystem in farbige Computergrafiken übersetzen lässt, die die Wege des runden Leders entschlüsseln. Die Barça-Formel wirkt wie die Erfindung von Gentlemen, die dem Volkssport seine rauen Seiten austreiben wollen, um ihn in die Nähe von Schach und klassischem Ballett zu rücken.

Die Mannschaft, die solches Lob erntet, sieht ungewöhnlich aus, um es vorsichtig auszudrücken. Stellen andere Teams ein paar harte Jungs ins Mittelfeld, um den Aufbau des Gegners zu stören, läuft der FC Barcelona vorwiegend mit kleinen Leichtgewichten auf, die vor allem eines können: den Ball zirkulieren lassen. Der niedrige Schwerpunkt hilft ihnen dabei. Mit Spielern wie Xavi, Messi und Iniesta – keiner von ihnen misst mehr als 1,70 Meter – ändert der Fußballwettbewerb plötzlich sein Gesicht: Wer den Ball hat, kontrolliert das Spiel. Und wer den Ball geradezu okkupiert und kunstvoll in den eigenen Reihen hält, ist in der Lage, selbst starke Mannschaften an den Rand der Verzweiflung zu bringen.

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es natürlich nicht. Der Erfolg des FC Barcelona beruht auf dem Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Seit der Ära des Trainers Johan Cruyff in den neunziger Jahren pflegt der Verein die Philosophie des attraktiven Angriffsfußballs, die Fans und Klubführung geradezu als katalanisches Identitätsmerkmal verteidigen. Nicht nur in dieser Beziehung ist Barça, so das offizielle Vereinsmotto, „mehr als ein Klub“. Im Jahr 2008 übernahm mit Pep Guardiola ein Cruyff-Schützling das Ruder, der unter dem Niederländer trainiert hatte und dessen Grundregel im Schlaf beherrschte: vier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler, drei Angreifer. Das auffälligste Merkmal kann man allerdings nicht sehen, man kann es dem Spiel nur ablesen. Guardiola, in seiner aktiven Zeit ein begnadeter Organisator mit der Rückennummer vier, hat genau wie der Großteil der wichtigsten Barça-Spieler von heute die vereinseigene Jugendakademie „La Masia“ durchlaufen.

Vom Straßenfußballer zum Weltstar

„La Masia“ bezeichnet ein traditionelles katalanisches Bauernhaus. Bis Juni 2011 war die inzwischen berühmteste Talentschmiede der Welt hinter dem Gemäuer eines 300 Jahre alten Baus in der Nähe des Stadions Camp Nou untergebracht. Die gut 600 Quadratmeter boten Platz für 45 Zöglinge. Die Ausstattung war nicht herrschaftlich: Küche, Speisesaal, Aufenthaltsraum, Bibliothek, Umkleiden, Bäder, Schlafräume. Hier ging der 13-jährige Pep Guardiola in die Fußballschule und spielte sich durch alle Jugendkategorien, bis er Kapitän von Barças A-Mannschaft wurde. Hier wurde Lionel Messi vom Straßenfußballer zum besten Dribbler, den die Welt je gesehen hat; der Verein bezahlte dem Jugendlichen die teure Hormonbehandlung, damit er noch ein paar Zentimeter wuchs. Auch Xavi, Iniesta, Busquets, Piqué, Rodríguez und Torhüter Valdés, die Europameister von Polen und der Ukraine, haben in „La Masia“ gelernt. Was erklärt, warum sie sich auf dem Platz blind verstehen. Darin liegt ein Teil des Barça-Zaubers: dass alle dasselbe wollen. Dass sie gemeinsam verteidigen, gemeinsam angreifen und nie vergessen, mit welchen Mitteln das geschehen soll.

Der Charme des Improvisierten ist nach dem Umzug an den nördlichen Stadtrand, in das Viertel San Joan Despí, verschwunden. Die Kaderschmiede nennt sich jetzt „La Masia Ausbildungszentrum Oriol Tort“ und ehrt mit ihrem Namen den Mann, der 1979 mit der systematischen Nachwuchsarbeit begann. Oriol Tort brachte viele Jungkicker ins erste Team, darunter Guardiola und Xavi Hernández. Er starb, bevor er den Welterfolg der Mannschaft erleben konnte, doch er wusste, dass er auf dem richtigen Weg war. Die Anlage, die nach ihm benannt ist, verfügt über 6 000 Quadratmeter Grundfläche und bietet neben Zimmern für 120 Sportler, die Hälfte von ihnen Fußballer, viel Platz für Hobbys und Freizeitgestaltung.

Was eine Sportlerpersönlichkeit ausmacht

Carles Folguera, ein ehemaliger Rollhockeytorwart und seit 2002 Direktor der Akademie, führt uns durch den lichten Neubau. Bei der Ausstattung herrscht eine Mischung aus Kargheit und Komfort. Durchs Fenster schaut man auf die Trainingsplätze. „Für jeden, der hier sein darf, sind die Erfolgserwartungen enorm“, sagt Folguera. „Das erfordert besondere Fürsorge. Aber wir müssen den Jugendlichen auch Ordnung und Disziplin vermitteln.“

Für jeden, der hier sein darf, sind die Erfolgserwartungen enorm. Das verlangt besondere Fürsorge, aber auch Ordnung und Disziplin.

Auf den ersten Blick wirkt das Leben im Fußballinternat nicht aufregend anders. 60 Jungen zwischen zwölf und 18 Jahren haben es geschafft, sich gegen Tausende Bewerber durchzusetzen. Sie kommen aus Spanien, Kamerun, Brasilien, Argentinien, dem Senegal oder der Tschechischen Republik. Werktags stehen die Schüler um 6.45 Uhr auf, machen die Betten, gehen zum Frühstück und werden vom Bus in eine nahe gelegene Schule gebracht, wo sie von 8.00 bis 13.30 Uhr Unterricht haben. Um 14.00 Uhr gibt es Mittagessen, von 15.30 bis 18.00 Uhr ist Hausaufgabenzeit. Betreuer stehen Tag und Nacht zur Verfügung. Trainiert wird täglich zwischen 19.00 und 20.45 Uhr.

Vor zehn Jahren sah man es als utopisch an, Lernen und Hochleistungssport zu verbinden. Doch „La Masia“ hat die Prioritäten verschoben und Skeptiker eines Besseren belehrt. 40 Prozent von Barças A-Jugend besuchen Vorlesungen. „Für viele unserer Talente“, sagt Carles Folguera, „ist das Universitätsstudium eine Sache des Prestiges geworden. Es ist kein Hindernis mehr, es ist Teil des Wegs zu einer vollständigen Sportlerpersönlichkeit.“

Denn nicht alle Auserwählten können es schaffen. Deshalb zählt der Umgang mit dem Scheitern zu den wichtigsten Lehrinhalten der Akademie. Man brauche, so Folguera, einen „Plan B“. Der Wertekatalog des Vereins betont es unermüdlich: Geduld. Demut. Harte Arbeit. Die Eltern der Hochbegabten müssen es genauso lernen wie ihre Kinder. Ihnen soll klar werden: Scheitern darf man sich nicht vorwerfen, wenn man für das Erreichen des Ziels alles gegeben hat.

Treue zur offensiven Identität

Man konnte diese Lehren wie bei einem Naturschauspiel studieren, als es in den spanischen Prestigeduellen zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid zur Sache ging. In der Saison 2011/12 standen sich die beiden Topmannschaften nicht weniger als sechsmal gegenüber. Der Psychokrieg zwischen Real-Trainer José Mourinho und Pep Guardiola fand auf dem Platz seine Fortsetzung, es kam zu Handgreiflichkeiten. Dabei ging es nicht nur darum, wer den besten Coach oder den weltbesten Stürmer – Messi oder Cristiano Ronaldo – in seinen Reihen hatte. Sondern um zwei grundverschiedene Wertesysteme. Doch wer sich veränderte und verbog, war der Rekordmeister aus Madrid. Die Katalanen blieben ihrer offensiven Identität treu. Sie gewannen die wichtigsten Partien und obendrein die Sympathien der Fußballwelt.

Und was wäre, wenn es mit dem Gewinnen mal nicht so klappte? Carles Folguera, der eine kaum zu beschreibende Mischung aus Sanftheit und Stärke ausstrahlt, senkt die Stimme: „In diesem Land wäre es nötig, der Niederlage Würde zu verleihen. Das steht nicht hoch im Kurs, ich weiß. Aber unsere Jungs sollen es lernen.“ Es gebe Wichtigeres als Sieg oder Niederlage, sagt der Leiter von „La Masia“. Etwa, die Achtung der Menschen zu gewinnen. „Die niederländische Mannschaft von 1974 und die Brasilianer von 1982 haben keine Titel gewonnen. Aber wir alle erinnern uns an ihren Fußball. Vielleicht sollten wir dem Prozess einen höheren Wert beimessen als dem Ergebnis.“

Wir sprechen über Andrés Iniesta, einen der stillen Stars des FC Barcelona und eine der höchstgeachteten Fußballpersönlichkeiten des Landes. Iniesta kommt aus Albacete tief in der Mancha.

„Er hatte es am Anfang schwer“, sagt Folguera. „Sein Heimweh war so stark, dass er drauf und dran war, ,La Masia‘ wieder zu verlassen.“

Man könnte die Bedeutung der Jugendakademie anhand vieler Karrieren erzählen, aber am besten beschreibt man sie am Beispiel von Iniesta. Der Spieler mit dem unscheinbaren Äußeren kam im Alter von zwölf Jahren in das Fußballinternat. In seiner Heimatstadt durfte er immer mit den Großen spielen, weil er technisch so begabt war. „Im Zweikampf siegt fast immer der körperlich Stärkere“, sagt Iniesta über eine wichtige Regel des Barça-Prinzips, die er wegen seiner schmächtigen Statur schon als Junge verinnerlichte. „Also müssen wir abspielen, bevor der Gegner da ist. Wir müssen schneller denken.“

Es gibt wenige Profis, die so unauffällig in die Weltklasse aufgestiegen sind wie er. Das liegt auch daran, dass „La Masia“ seinen Weg vorgezeichnet hat. Die Spieler werden behutsam an die Aufgabe herangeführt, sich gegen die stärkste Fußballkonkurrenz durchzusetzen. Dabei ist das Dosieren der Kräfte entscheidend. In seinen ersten beiden Jahren in Barças Profikader war Iniesta der typische Einwechselspieler. Zweifel an seiner Robustheit gab es viele, Zweifel an seiner überragenden Begabung nicht.

Sein Debüt in der Nationalmannschaft erfolgte mit 22 Jahren, kurz vor der WM in Deutschland. Unter Cheftrainer Guardiola blühte er auf. 2009 schoss Iniesta das Siegtor beim wichtigen Champions-League-Halbfinale gegen Chelsea. Im Jahr darauf erzielte er das entscheidende Tor gegen die beinharten Niederländer im WM-Finale von Johannesburg. Und er war der überragende spanische Spieler bei der vergangenen Europameisterschaft: absolut fit, mit großer Spielvision und unwiderstehlichen Dribblings.

„Der Erfolg hat ihn nicht verändert“, sagt Folguera über den 28-Jährigen, von dem es keine markanten Triumphgesten, kein Schaulaufen des Egos zu berichten gibt. „Andrés Iniesta ist immer bescheiden geblieben. Und er will dazulernen.“

Von klein auf lernen die Jungen, keine Angst vor dem Ballbesitz zu haben. Sie sollen den Ball lieben.

Die Nachwuchshoffnungen des FC Barcelona aus aller Welt träumen vom ganz großen Triumph: Aus dem schüchternen Schüler Andrés Iniesta (Bildmitte) wurde ein Nationalspieler und Champions-League-Gewinner, der jungen Fußballern als Vorbild dient.

Doch was genau ist es, was die Jungen in „La Masia“ lernen?

„Sie sollen den Ball lieben.“ Der das sagt, spricht aus tiefster Überzeugung. Guillermo Amor – mit mehr als 400 Pflichtspielen einer von Barcelonas Rekordspielern und der stille Motor im Mittelfeld der Cruyff-Ära – kam schon als Elfjähriger in die Kaderschmiede. Er blieb volle acht Jahre. Seit 2011 ist der drahtige Mittvierziger beim FC Barcelona Direktor des Jugendfußballs. Mit den Trainern der unteren Kategorien steht er im ständigen Austausch, schaut sich an, was die Kleinen draufhaben, kalkuliert Potenzial und Entwicklungschancen.

Ballbesitz, erklärt Amor, sei der höchste Glaubenssatz. So hat er selbst es gelernt. So hat es sein Mitspieler Guardiola praktiziert. Daran glauben sie alle, und notfalls würden sie, wie sie vor wichtigen Matches betonen, auch „mit diesem Glauben untergehen“.
„Die meisten Mannschaften“, sagt Amor, „stehen heute ziemlich gut. Aber die Position allein bringt es nicht. Von klein auf sollen unsere Jungs lernen, keine Angst vor dem Ballbesitz zu haben.“ Und dann fällt dieser schöne Satz, der Barças Philosophie so gut zusammenfasst wie kein anderer. „Sie sollen den Ball lieben.“

Man braucht dafür technisch starke Spieler, eher Artisten als Athleten. Das Training der Jugendmannschaften verzichtet daher auf Kraft- und Ausdauerübungen der alten Schule. Hier wird fast immer mit dem Ball geübt, gern auf halbem Spielfeld mit Planquadraten, die den Jungen die Enge des Raums vorführen und sie zu blitzschnellen Entscheidungen zwingen. „Es muss immer jemand da sein, um den Ball zu übernehmen“, sagt Amor. „Das Prinzip heißt, sich mit dem Ball zu verteidigen statt ohne ihn.“

Die Trainingsmethode in „La Masia“ vereinigt in sich verschiedene Modelle, auch Erkenntnisse aus anderen Sportarten wie Handball, Basketball und Rugby. Der frühere Fitnesscoach Paco Seirullo etwa hat die Barça-Profis gelehrt, den zugespielten Ball immer mit dem Fuß anzunehmen, der von der Seite, aus der die Kugel kommt, weiter entfernt ist. Die Annahme mit dem „ballfernen Fuß“ erlaubt es dem Spieler, sich mehr Optionen für den folgenden Pass zu schaffen. Der Ablauf kann so stark beschleunigt werden, dass die Passfolge den Gegner schwindelig spielt.

Im Camp Nou, dem größten Fußballstadion Spaniens, zelebrieren
Woche um Woche fast 100 000 Fans die Liebe zum Angriffsspiel.

Das Guardiola-System lebt

All diese Theorien wären wenig wert, wenn der Verein nicht auf eine bestimmte Methode setzen und sie langfristig pflegen würde. Die Berufung von Pep Guardiola zum Nachfolger des Niederländers Frank Rijkaard als Cheftrainer im Jahr 2008 stellte eine mutige, aber konsequente Entscheidung dar. Guardiola hatte bis dahin nur ein einziges Jahr lang die Barça-Amateure trainiert, doch an seinen Fähigkeiten, seiner Besessenheit zweifelte kaum jemand. Er verwandelte sich in den erfolgreichsten Trainer-Newcomer der Fußballgeschichte. Als Guardiola im Frühjahr 2012 bekannt gab, er werde mit dem Ablauf der Saison zurücktreten, blieb der Verein seiner Losung treu und besetzte den vakanten Posten mit Tito Vilanova, Guardiolas langjährigem Assistenten. Unter den Barça-Profis stieß die Entscheidung auf große Zustimmung. Sie kennen den neuen Cheftrainer Vilanova seit Jahren und können darauf vertrauen, dass sich am Erfolgscode nichts ändert.

Der FC Barcelona ist „mehr als ein Klub“, er steht für Schönheit, Kreativität und Katalonien.

Inzwischen glauben allerdings manche Beobachter, Anzeichen für eine Wachablösung im spanischen Fußball zu entdecken. Barça verlor im Mai den Meistertitel an Real Madrid. Der Mythos der Unfehlbarkeit begann zu bröckeln. Fußball ist auch deswegen so ein aufregendes, unerschöpfliches Spiel, weil sich die Faktoren Zufall, Glück und Pech nicht bändigen lassen.

Kurz darauf zeigte sich jedoch, dass das Guardiola-System lebendiger ist denn je. Während der Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine triumphierte die spanische Selección unter Nationaltrainer Vicente del Bosque. Von Anfang an ist dieses Team als Verlängerung des katalanischen Modells bezeichnet worden, weil es sich vor allem auf die Offensivideen des FC Barcelona stützt. Im Endspiel von Kiew gegen Italien bewiesen die Mittelfeldkräfte Xavi und Iniesta, dass ihr Fußball immer noch konkurrenzlos ist.

Die Barça-Fans erkennen sich in der Philosophie des schönen Spiels wieder. Seit Langem schon. Und nichts spricht dafür, dass ein Trainer oder Präsident es wagen könnte, diese anzutasten. Gräbt man noch tiefer, stößt man gar auf eine moralische Idee, die unabhängig von Pokalen existiert. „Wir wollen in ,La Masia‘ sehr gute Fußballer und gute Menschen zugleich heranziehen“, sagt Guillermo Amor. „Denn der Fußball hört irgendwann auf. Das Leben aber geht weiter.“

Lionel Messi, der argentinische Superstar, ist der berühmteste Adoptivsohn der Stadt.

Paul Ingendaay

Paul Ingendaay, geboren 1961, ist seit 1998 Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Madrid. Er ist Autor der „Gebrauchsanweisung für Spanien“ (11. Auflage) und der Romane „Warum du mich verlassen hast“ (2006) und „Die romantischen Jahre“ (2011). Ingendaay erhielt den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik, den aspekte-Preis für das beste deutschsprachige Debüt und den Niederrheinischen Literaturpreis.

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