Egon Zehnder
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Es ist unstrittig, dass alle Unternehmen und Organisationen in einem gewissen Maße zu Innovationen in der Lage sein müssen. Das war schon immer der Fall: Kundenpräferenzen ändern sich, Technologien entwickeln sich weiter, regulatorische Rahmenbedingungen werden angepasst, neues Denken entsteht ... Neuausrichtungen sind erforderlich! Dabei variiert die Bedeutung von Innovationen je nach Branche. Es gibt einige Branchen, die sich fortwährend verändern (z. B. Mode), während andere über einen längeren Zeitraum eine relative Stabilität genießen (z. B. Softdrinks – jedenfalls bis vor Kurzem). Was sich jedoch unbestreitbar verändert hat, ist die Schnelligkeit des Wandels. Das Eintreten der VUCA-Welt1 – angetrieben durch große Datenmengen, globale Interdependenzen und wissenschaftlichen Fortschritt – betrifft jede Branche, jeden Sektor, jede Annahme und jede Führungskraft. Und da der Wandel konstant und tiefgreifend ist, können sich Innovationen nicht länger nur auf einen Teil eines Unternehmens oder eines Geschäftszyklus‘ beschränken.

1. volatile = schnelllebig, uncertain = unsicher, complex = komplex und ambigious = unklar; der Begriff ist zwar überbeansprucht, aber immer noch passend

Innovationen zu entfesseln, war schon immer eine anspruchsvolle Aufgabe. Während die Förderung von Innovationen aber in der Vergangenheit oft als die Zuständigkeit derer angesehen wurde, die verantwortlich für die Entwicklung „der nächsten großen Sache“ (Führungsebene R&D, Unternehmer, Berater) sind, müssen künftig alle Führungskräfte ein Verständnis dafür haben, wie man die besten Ideen seiner Mitarbeiter freisetzt. Andernfalls besteht das Risiko, den Anschluss zu verlieren. In der Vergangenheit war die Fähigkeit, schnell, effektiv und anhaltend innovativ zu sein, ein Wettbewerbsvorteil, wenngleich dieser für die meisten Unternehmen unerreichbar blieb – heute ist er überlebensnotwendig.

Linda Hill, Wallace Brett Donham-Professorin für Business Administration an der Harvard Business School und Fakultätsvorsitzende der Leadership Initiative der Universität, gehört zu den weltweit führenden Denkerinnen im Bereich Innovationen. Sie erforscht seit Jahren, wie Unternehmen und deren Führungskräfte der Herausforderung begegnen, individuelle Potenziale zu entfalten und diese daraufhin in einem kollektiven „Genius“ zu bündeln. Im vergangenen Jahr veröffentlichte sie (zusammen mit den Ko-Autoren Greg Brandeau, Emily Truelove und Kent Lineback) das Buch Collective Genius, welches einen neuen Führungsansatz beschreibt und aufzeigt, wie in einer zunehmend von VUCA geprägten Welt Innovationen und Wachstum gefördert werden können.

Egon Zehnder wiederum arbeitet seit über 50 Jahren mit Klienten zur Bewältigung vergleichbarer Herausforderungen zusammen und unterstützt Unternehmen bei der Auswahl von Führungskräften sowie bei der Zusammenstellung von Teams, die in der Lage sind, ihre Unternehmen in neue Richtungen zu lenken. Egon Zehnder verfügt über jahrzehntelange praktische Erfahrung in der Innovationsförderung. Aufgrund der stetig zunehmenden Geschwindigkeit des Wandels steigt auch die Nachfrage nach neuen Denkansätzen und praktikablen Lösungen. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, schließt sich Egon Zehnder mit Professor Hill und ihrem Team - ab sofort in einem neuen Unternehmen namens Paradox Strategies organisiert - zusammen. Das Ziel dieser Partnerschaft besteht darin, die Erkenntnisse aus jahrelanger Forschung und jahrzehntelanger weltweiter Beratung anzuwenden und Unternehmen dabei zu unterstützen, die Kunst (und die Wissenschaft) innovationsfördernder Führung zu verstehen und zu beherrschen.

Gemeinsam haben wir eine Methode entwickelt, mithilfe derer Klienten nachvollziehen können, wo sie mit Blick auf die wesentlichen Faktoren zur effektiven Förderung von Innovationen stehen. Doch bevor wir diesen Prozess genauer beschreiben, ist es wichtig, den zugrundeliegenden konzeptionellen Rahmen von Collective Genius zu verstehen.

Der Innovationsrahmen

Professor Hills Forschung hat gezeigt, dass Unternehmen, die anhaltend innovativ sind, in drei Merkmalen übereinstimmen: der Bereitschaft, der Fähigkeit und der Führungsstärke zur Innovation. Jedes dieser drei Merkmale besteht wiederum aus drei grundlegenden Komponenten, die – unabhängig von der Größe, der Branche oder dem Standort des Unternehmens – immer vorhanden sind und gemeinsam einige traditionelle Vorstellungen darüber, wie eine „herausragende Unternehmensführung“ auszusehen hat, infrage stellen.

Führung und Innovation
Während in der Vergangenheit von Führungskräften erwartet wurde, eine Vision zu formulieren und ihr Umfeld danach (in der Regel von oben) auszurichten, verstehen Innovatoren ihre Rolle nicht als Visionäre, sondern als Schöpfer eines Gesamtkontextes, in dem andere dazu inspiriert werden, ihre Innovationsfähigkeit zu entfalten. Anstelle von Stabilität und Sicherheit müssen Innovatoren eine Reihe von Paradoxien annehmen und handhaben, auf die es keine „richtige Antwort“ gibt und die eine ständige Anpassung erfordern. Diese Widersprüche sind:

  • Das Paradox der Zusammenarbeit: Anerkennung sowohl des Individuums als auch der Gruppe bei gleichzeitiger Unterstützung der Freisetzung wie auch der Einhegung nutzbarer Ideen.
  • Das Paradox des entdeckungsgetriebenen Lernens: Schaffen einer Balance zwischen Experimentieren, kontinuierlichem Lernen und Ergebnissen/Leistungen; Förderung von Improvisation bei gleichzeitiger Schaffung notwendiger Strukturen.
  • Das Paradox der integrativen Entscheidungsfindung: Geduld beweisen, aber auch Dringlichkeit verdeutlichen, während Ideen von unten mit Interventionen von oben in Einklang gebracht werden müssen.

Die richtige Balance zwischen diesen konkurrierenden Merkmalen zu finden, ist schwierig und erfordert Führungskräfte, die drei wichtige Qualitäten aufweisen:

  • Eine offene Denkweise: Führungskräfte innovativer Unternehmen müssen bereit sein, vorgefasste Vorstellungen über Stakeholder, Unternehmensstrukturen und die jeweiligen Aufgaben beiseite zu legen. Auf diese Weise leben Führungskräfte die Art zu Denken vor, welche die weiteren Diskussionen und Debatten prägen soll.
  • Die Fähigkeit, Paradoxien zu handhaben: Die Fähigkeit, die o. g. Paradoxien zu handhaben, um Innovation sowohl freizusetzen als auch einzuhegen.
  • Die richtigen persönlichen Eigenschaften: Innovationsförderung erfordert ein hohes Maß an Vertrauen und Bescheidenheit oder auch Demut. Sie erfordert außerdem das Engagement, die Neugier und die Entschlossenheit, die Menschen auszeichnet, die gerade in einem unklaren und unsicheren Umfeld aufblühen.

Die Bereitschaft zur Innovation
Die Ergebnisse zeigen, dass ein erfolgreiches Management der oben beschriebenen Paradoxien von der Fähigkeit der Führungskräfte abhängt, den eingeschlagenen Kurs auf einem häufig als ineffizient empfundenen Weg fortzusetzen. Die Innovationsbereitschaft erfolgreicher innovativer Unternehmen ist durch drei Merkmale gekennzeichnet, die zusammen das notwendige Gemeinschaftsgefühl schaffen:

  • Gemeinsames Ziel: Gemeinschaft entsteht aus einem gemeinsamen Ziel, das sich über Funktionen und Geografien erstreckt. Dieses gemeinsame Ziel reicht über die bloße Wertschöpfung oder die Verbreitung des Produktes hinaus; innovative Unternehmen betrachten ihre Tätigkeit häufig als Hebel, mit dem sie Einfluss auf eine umfassendere Veränderung nehmen können.
Innovatoren müssen eine Reihe von Paradoxien annehmen und handhaben, auf die es keine „richtige Antwort“ gibt und die zudem eine kontinuierliche Anpassung erfordern.

Gemeinsame Werte: Innovative Gemeinschaften sind durch gemeinsame Werte gekennzeichnet, die dem Erreichen des Ziels zugrunde liegen. Während einzelne Eigenheiten in jedem Unternehmen variieren können, schließen diese Werte typischerweise ein hohes Maß an Zielstrebigkeit, einen kollaborativen Arbeitsansatz, hohe Lernbereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein für die Gruppe ein.

Verhaltensregeln: Ein chaotisch-kreativer Innovationsprozess kann nur stattfinden, wenn die Teams von einem gemeinsamen Ethos geleitet werden, das vorgibt, auf welche Weise lebhafte Diskussionen auf der Basis gegenseitigen Respekts und Vertrauens geführt werden. Diese Regeln helfen Führungskräften, die „Stellschrauben“ mit Blick auf die unterschiedlichen Paradoxien nachzuziehen und zu verhindern, dass die einzelnen „Pendel“ zu weit auseinanderschwingen.

Die Fähigkeit zur Innovation
Führungskräfte mit den erforderlichen Qualitäten und Teams mit dem richtigen Gemeinschaftsgefühl sind notwendig, aber nicht ausreichend. Professor Hills Forschung zeigt, dass die Teams noch weitere essenzielle Fähigkeiten aufweisen müssen, um erfolgreich zu sein:

  • Kreatives Aneinander-Reiben: Die Fähigkeit des kreativen Aneinander-Reibens baut darauf auf, dass innovative Lösungen in der Regel entstehen, wenn vielfältige, oft widersprüchliche Ideen aufeinandertreffen. Innovative Unternehmen sind in der Lage, Menschen mit diversen Perspektiven und einem breiten Fachwissen zusammenzubringen und dadurch einen Dialog zu schaffen, der wiederum einen „Marktplatz der Ideen“ mit einer Reihe von konkurrierenden Ansätzen entstehen lässt – viele davon können Mischformen sein, die aus mehreren Blickwinkeln entstanden sind.
  • Kreative Agilität: Kreative Agilität erfordert, dass Teams in der Lage sind, verschiedene Optionen zu entwickeln und zu testen, aus den Ergebnissen zu lernen und es wiederholt zu versuchen. Teams müssen dem Drang widerstehen, Optionen auszuschließen. Sie müssen sich auf datengestützte Bewertungen verlassen, um zu verstehen, was passiert ist, und aus diesen Erkenntnissen neue Möglichkeiten zu erschließen.
  • Kreative Entschlossenheit: Kreative Entschlossenheit ist die Fähigkeit des Teams, das in einer Gruppe Erlernte zusammenzubringen – auch solche Ideen, die zuvor als sich gegenseitig ausschließend galten. Wo traditionelle Unternehmen die endgültige Entscheidungsfindung häufig als Wahl zwischen „A“ oder „B“ angehen, sind innovative Unternehmen in der Lage, diese binäre Denkweise zu überwinden und Aspekte vieler möglicher Lösungen zu integrieren, um ein noch besseres Ergebnis zu schaffen („sowohl als auch“). Diese Fähigkeiten spiegeln die oben erwähnten Paradoxien wider: Kreatives Aneinander-Reiben ist die Antwort auf das Paradox der Zusammenarbeit, während kreative Agilität das Paradox des entdeckungsgetriebenen Lernens überwindet. Kreative Entschlossenheit wiederum beantwortet das Paradox der integrativen Entscheidungsfindung.

Der Innovationsquotient

Beim Innovationsquotienten handelt es sich um ein komplexes Thema. Damit Klienten dieses Konzept besser verstehen und zudem nachvollziehen können, wo ihre Unternehmen in Bezug auf die notwendigen Fähigkeiten stehen, haben Egon Zehnder und Paradox Strategies ein Diagnoseverfahren zur Messung des „Innovationsquotienten“ eines Unternehmens entwickelt. Unter Verwendung des konzeptionellen Rahmens von Linda Hill wird bei dem Diagnoseverfahren der folgende Ansatz verwendet, damit Führungskräfte nachvollziehen können, wo ihr Unternehmen steht, und besser entscheiden können, wie sie ihre Ziele erreichen. Der benannte Ansatz umfasst vier Schritte:

  • Befragung zur Innovationsführerschaft: Wir haben eine eigene Online-Befragung entwickelt, welche sich auf die oben beschriebenen Schlüsseleigenschaften konzentriert. Innerhalb dieser Befragung werden Daten über die Werte und Prioritäten des Unternehmens, über die Frage, wie es sich Herausforderungen stellt, mit Konflikten umgeht und Entscheidungen trifft, gesammelt. Die Befragung wird in der Regel mit den Führungskräften und deren direkten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt. Sie kann ggf. aber auch weitreichender angewendet werden.
  • Vertrauliche Interviews: Die Befragung liefert Einsichten, die in vertraulichen, persönlichen Interviews überprüft werden können. Diese Interviews dienen dazu, wichtige Punkte weiter zu vertiefen, Beispiele zu sammeln und die unterschiedlichen Standpunkte der Teammitglieder herauszuarbeiten.
  • Synthese: Sobald die Teams sowohl Online- als auch Live-Daten gesammelt haben, können die Ergebnisse zusammengefasst werden, um aufzuzeigen, was wirklich im Unternehmen los ist: Wo liegen die Stärken der Teams? Wo zeigen sich eher Schwächen?
  • Aktion: Auf dieser Basis arbeiten wir mit den Führungskräften und ihren Teams zusammen und entwickeln Pläne zur Ermittlung des effizientesten Weges für eine erfolgreiche Innovationsförderung.

Die harte Arbeit der Innovationsförderung in Angriff nehmen

Wie eingangs erwähnt, ist Innovationsförderung schwierig – sie wird aber immer wichtiger. Egon Zehnder und Paradox Strategies entwickeln gemeinsam mit ihren Klienten einen Rahmen, der ihnen dabei hilft, Herausforderungen zu verstehen und einen Ausgangspunkt zu definieren. Anschließend unterstützen Egon Zehnder und Paradox Strategies ihre Kunden dabei, ein neues Führungsverständnis zu entwickeln, auf dessen Grundlage sie nicht nur „überleben“, sondern am Ende auch in einer komplexen und sich wandelnden Umgebung, die unsere absehbare Zukunft bestimmt, erfolgreich sein können.

Autoren:

Gabriela A. Carvalho, Egon Zehnder, Miami
Greig T. Schneider, Egon Zehnder, Boston
Ricardo Sunderland, Egon Zehnder, San Francisco

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