Egon Zehnder
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„Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.“ Übersetzt heißt das, was Johann Wolfgang von Goethe in Wilhelm Meisters Wanderjahre schreibt: Veränderung gehört zum Leben und Wirtschaften. Nicht immer jedoch ist der Wandel so einschneidend, so fundamental, wie wir es heute wieder erleben. Unsere Welt erfindet sich gerade neu. Digitale Technologien beschleunigen die Entwicklung. Die Richtung, in die wir uns bewegen, ist dabei nicht immer eindeutig.

Die klassischen Instrumente des Changemanagements greifen in der Regel nicht mehr. Bis die Konzepte und Programme am grünen Tisch entwickelt sind, hat sich der Wind schon wieder gedreht. Um eine tiefgreifende Transformation anzustiften und voranzutreiben, braucht es Menschen, die selbst die Veränderung verkörpern. Sie beantworten mit ihrem Denken und Handeln die Frage, warum die Organisation existiert und wie die Vision einer besseren Zukunft gelebt werden kann. Sie gehen im Team voran, und sie haben auch keine Angst, Fragen im Raum stehen zu lassen. Sie verkörpern und schaffen Sinn.

Diese Menschen sind in fast jeder Organisation zu finden. Ihre Haltung und ihre spezifischen Fähigkeiten machen sie extrem wertvoll.

Sinn-Gestalter treiben nicht allein erfolgreiches und zielorientiertes Arbeiten. Sie schätzen ihr Unternehmen in seinem jetzigen Zustand – sind aber gleichzeitig neugierig auf seine noch ungeahnten Möglichkeiten. Sie können für eine Organisation neue Energien freisetzen. Die ihnen anvertrauten Projekte rütteln – getrieben von einer positiven Vision – an den Grundfesten ihrer Organisation, an ihren versteckten Agenden, an Defiziten und Dysfunktionalitäten.

Echte Transformation gelingt nur mit dem festen Willen der Unternehmensleitung, Sinn-Gestalter zu identifizieren und ihnen den richtigen Wirkungsort und die richtigen Aufgaben zuzuweisen. Sie finden sich auf allen Hierarchieebenen. Es besteht kein Zweifel: Der Erfolg von morgen beruht nicht auf dem Status quo, der die Organisation heute erfolgreich macht. Der Wandel muss von oben aktiv gefordert werden und sich aus der Mitte der Organisation heraus entwickeln.

Ohne Frage verbinden mehr Menschen denn je mit ihrer Führungsaufgabe den Anspruch, Sinnstiftendes zu leisten. Organisationen, die sich dem verweigern, geraten auch beim Talentmanagement ins Abseits. Eine sinnstiftende Kultur aufzubauen und zu pflegen, kostet Zeit und Mühe – und gelingt am besten, wenn man echten Potenzialträgern die Möglichkeit gibt zu wirken. Nur mit ihnen entsteht ein Wandel im Sinne Goethes. Wir sollten auf eine Kultur hinwirken, die in der Lage ist, sich selbst neu zu erfinden – aus der Mitte einer Organisation heraus.

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