Egon Zehnder
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Susan Neiman, die Direktorin des Einstein Forums in Potsdam, über interdisziplinäre Begegnungen, die Notwendigkeit, über den Tellerrand zu schauen, und die Rolle der Aufklärung heute.

Focus: Über Caputh hat Einstein einmal zu seinem Sohn gesagt, an diesem „Ort des Rückzugs und der Inspiration“ könne er „auf die Welt pfeifen“. Welche Inspiration gibt Ihnen dieser Ort?

Susan Neiman: Caputh war für Einstein nicht nur ein Rückzugsort. Aber Einstein war ein Mensch, der sich in der Welt der Formalitäten, der Akademie der Wissenschaften nicht besonders wohlfühlte. Caputh war für ihn ein Ort, an den er Leute einladen konnte, um mit ihnen über Gott und die Welt zu diskutieren. Er war ein sehr geselliger Mensch, allerdings ein informeller. Einmal sagte seine Frau zu ihm: „Zieh dich bitte anständig an, es kommt eine Delegation von Ministern.“ Er antwortete: „Wenn sie mich sehen möchten, bin ich hier. Wenn sie meine Kleider sehen möchten, kannst du den Schrank aufmachen.“
Einsteins Art, anspruchsvolle, intensive Gespräche zu führen in einer Atmosphäre, die informeller ist als hierzulande üblich, das ist es, was uns inspiriert – zum Beispiel, wenn wir über die Vergabe unseres Einstein-Stipendiums entscheiden. Jedes Jahr kann ein junger Mensch hier sechs Monate lang leben, sofern er etwas macht, was er vorher in der akademischen Tretmühle nicht gemacht hat. Das Stipendium soll ihm helfen, noch vor seinem 35. Lebensjahr Anerkennung für interdisziplinäre Arbeit außerhalb des traditionellen Rahmens zu bekommen. Wir glauben, dass dies ein Projekt ist, über das Einstein sich gefreut hätte.

Focus: Umso erstaunlicher, dass Sie Einstein anfangs eher kritisch gegenüberstanden.

Neiman: Ich wusste einfach zu wenig über ihn. Ich habe Philosophie studiert und doziert, bin also keine Physikerin. Mein Einstein-Bild war diese gängige Karikatur: ein brillanter Physiker von Weltbedeutung, aber als Mensch eher weltfremd. Doch nachdem ich zum Einstein Forum gekommen war, habe ich viel über ihn gelesen und mit Erstaunen festgestellt, dass er in allen politischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Lebensende 1955 immer richtig lag! Einstein hat nicht nur die richtigen Dinge gesagt, sondern er hat auch korrekt gehandelt. Das Bild des weltfremden Naturwissenschaftlers, das weitverbreitet ist, stimmt also gar nicht.

Focus: Wie würden Sie die Verbindung zwischen Einstein und der Arbeit des Forums beschreiben?

Neiman: Die Entstehung des Einstein Forums hatte mit zwei politischen Faktoren zu tun. Es wurde 1993 ins Leben gerufen – zu einer Zeit, als man zum einen befürchtete, dass die Wiedervereinigung einen wachsenden Nationalismus mit sich bringen könnte. Da erinnerte man sich daran, dass Einstein für Internationalismus steht, im Sinne eines aktiven und selbstverständlichen internationalistischen Handelns. Zum anderen fürchtete man, dass die Kultur der neuen Bundesrepublik von Westdeutschland bestimmt werden würde. Um dem entgegenzusteuern, gründete man dieses Institut in Potsdam – also in einem neuen Bundesland, aber dennoch in Sendeweite der Hauptstadt. Das Erste hat sehr direkt mit Einstein zu tun, das Zweite vielleicht ein bisschen weniger. Der Bezug zu Einstein ist: Er hatte einfach die besten Köpfe seiner Zeit um sich und hat Vertreter der Natur- und Geisteswissenschaften ebenso wie der Kunst und Politik zu sich eingeladen und zusammengebracht.

„Jeder normale Mensch hat Interessen, die nicht nur ein einziges Gebiet betreffen.“

Focus: Eine Begegnung mit Einstein im Geiste der Interdisziplinarität?

Neiman: Ich empfinde den Begriff „interdisziplinär“ immer öfter fast als überflüssig. Jeder normale Mensch hat Interessen, die nicht nur ein einziges Gebiet betreffen, das sieht man schon an Kindern. Wenn ich mit Fachkollegen zusammensitze, bedienen wir uns der Sprache, die wir alle gelernt haben, um zu promovieren oder Professuren zu bekommen. Das ist aber oft eine Art von Diskussion, bei der ich nicht viel Neues lerne. Bei bestimmten Themen ist es sinnvoller, Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen – und zwar nicht nur aus der Wissenschaft, sondern auch aus der Literatur, aus der politischen Praxis, aus der Werbung.

Focus: Der akademische Betrieb belohnt aber eher eine Art von Leistung, die in Richtung Spezialisierung geht.

Neiman: Das ist auch nicht immer falsch. Um auf bestimmten Feldern Fortschritte zu machen, muss man sich extrem konzentrieren. Soweit ich sehe, gilt das besonders für die Naturwissenschaften. Doch in den Geistes- und Sozialwissenschaften halte ich das für weniger wichtig. Bei den meisten Themen sehe ich keinen Grund, weshalb man nur mit Soziologen oder nur mit Historikern diskutieren sollte. Ich finde, das engt den Blick unnötig ein. Der Sachverhalt bleibt nicht nur für Außenstehende undurchdringlich, sondern auch der Blick des Forschers wird dadurch eingeengt. Und ich bin nicht die Einzige, die das so sieht: Unsere Gäste loben uns gerade dafür, dass sie bei uns mit anderen Perspektiven konfrontiert werden – auch die Naturwissenschaftler.

Focus: Auf Interdisziplinarität allein kann man noch keine Alleinstellung aufbauen …

Neiman: Sie wollen einen roten Faden? Den werden Sie von mir nicht bekommen!

Focus: Aber wie findet das Forum dann zu seinen Themen?

Neiman: Die Themen kommen aus verschiedenen Richtungen. Ich habe einen kleinen, sehr guten Mitarbeiterstab, mit dem ich mich einmal die Woche zusammensetze, um neue Ideen zu diskutieren. Und auch aus dem Beirat kommen Vorschläge; unser aktuelles Jahresthema zum Beispiel hat dort seine Wurzeln. Eines der Mitglieder, ein Autor aus Polen, schlug vor, wir sollten etwas über das Buch Hiob machen. Als wir diesen Vorschlag dem gesamten Beirat vorlegten, stießen wir nur auf Zustimmung – selbst bei radikalen Atheisten. Und dann wird natürlich gesprochen und entwickelt. Normalerweise widmen wir uns aber nicht einem Text, sondern einer Fragestellung. Insofern ist das Thema Hiob etwas ungewöhnlich.

„Wenn ich Leute für den Beirat aussuche, lege ich großen Wert auf thematische Breite.“

Focus: Wo kommen die Beiratsmitglieder her?

Neiman: Sie kommen zum Beispiel aus Israel, Südafrika, Polen, England und den USA, weniger aus Deutschland. Wir haben ein deutschsprachiges Kuratorium, aber der Beirat soll eher international sein. In ihm sind unter anderem Schriftsteller, Soziologen, Historiker und Physiker vertreten. Wenn ich Leute für den Beirat aussuche, lege ich großen Wert auf diese thematische Breite. Ich suche Menschen, die auf mehr als nur einem Gebiet gearbeitet haben – also zum Beispiel eine Physikerin, die eine Oper geschrieben hat, und beides – Physik und Musik – großartig beherrscht. Und es müssen natürlich Leute sein, die gerne gemeinsam in einer Gruppe arbeiten möchten. Mit der Zeit entwickelt man den richtigen Blick dafür.

Focus: Ihr Programm hat eine enorme Bandbreite …

Neiman: „Unverschämt breit“, nannte ein Gast das neulich. Das hat mich gefreut.

Focus: … und man fragt sich: Was bewahrt Sie davor, beliebig zu werden? Sie haben über die Einheit der Vernunft bei Kant promoviert – ist diese Einheit möglicherweise ein roter Faden Ihrer Arbeit?

Neiman: Das wäre ein sehr dünner Faden. Wenn die Qualität unserer Arbeit stimmt, ist es mir egal, ob jemand einen roten Faden darin sieht oder nicht. Wir betrachten unser Programm ein bisschen als Gesamtkunstwerk. Das funktioniert zum Beispiel so: Der Schriftsteller Ingo Schulze schickt mir einen Text – nichts Literarisches, sondern einen Essay über ökonomische Politik –, ich lese ihn, bin begeistert, und wir treffen uns. Ich schlage vor, den Text im Forum vorzutragen und einen kleinen Workshop dazu zu machen. Wir reden dann darüber, wer noch dazukommen und für die Fragen interessant sein könnte. Danach machen auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Einstein Forums Vorschläge. Und irgendwann sitzen wir mit einem Programm da und sehen uns die Mischung an: Haben wir genug Politik oder eher zu viel? Fehlt uns noch etwas aus dem Kunstbereich? Wir versuchen, auf Internationalität zu achten und auch zu schauen, dass genug Frauen da sind – das ist ja in Deutschland immer noch ein Thema. Dabei habe ich ein eher ambivalentes Verhältnis zur Quotenfrage. In denUSA ist das Verhältnis der Geschlechter zwar noch immer nicht völlig egalitär, aber wir sind doch schon viel weiter als in Deutschland, wo man in den Zeitungen Diskussionen liest, die bei uns vor 25 Jahren geführt wurden: „Beruf und Familie – wie macht man das als Frau?“ Man macht es einfach, mit anderen Einstellungen.
Aber wie auch immer: Wenn wir schließlich ein gutes Gefühl haben, ist das Programm fertig.

„Wenn die Qualität unserer Arbeit stimmt, ist es mir egal, ob jemand einen roten Faden darin sieht.“

Focus: Sie setzen großes Vertrauen in die Intelligenz einer kleinen Gruppe. Andererseits versteht sich das Einstein Forum ja gerade nicht als Eliteinstitution. Wie verträgt sich das miteinander?

Neiman: Der Name Einstein hat eine enorme Anziehungskraft und fördert die Bereitschaft der verschiedensten Leute, in ein Flugzeug zu steigen und bei uns zu diskutieren, obwohl wir nur sehr bescheidene Honorare zahlen können. Andererseits schreckt er auch Menschen ab, die meinen, sie müssten die nächste Relativitätstheorie entwickelt haben, bevor sie zu uns kommen dürfen. Das müssen sie nicht. Worauf wir aber großen Wert legen, ist, dass die Leute kommunizieren können. Und damit meine ich nicht, dass sich jemand auf ein Podest stellt und Fachbegriffe vor sich hinmurmelt, was in Deutschland ja oft als Ausweis der Seriosität gilt. Es muss schon jemand sein, der sich auf das Abenteuer einlässt, mit einem Publikum zu reden, das von der Reinigungsfrau bis zum Botschafter reicht.
Ein Problem ist allerdings, dass die Angelsachsen das besser können als die meisten deutschen Redner. Und viele Potsdamer trauen ihren Englischkenntnissen nicht und meinen, ein Vortrag auf Englisch sei vergleichbar mit einem akademischen Vortrag auf Deutsch – deshalb würden sie ihn nicht verstehen. Aber prinzipiell sehe ich da keinen Widerspruch. Einstein hat einmal geschrieben: „Wer nicht in der Lage ist, seine Theorie einem Zehnjährigen zu vermitteln, der hat sie nicht wirklich verstanden.“

Focus: Sie haben sich intensiv mit der Philosophie der Aufklärung beschäftigt, und auch Ihre Arbeit am Einstein Forum scheint der Idee der Aufklärung verpflichtet zu sein. Was kann Aufklärung heute sein?

Neiman: Was kann Aufklärung sein? Ich glaube, wir haben wirklich nur drei Alternativen: Wir können in die nostalgische, reaktionäre Sehnsucht nach dem Vormodernen gehen. Wir könnten in den Zynismus und die Gleichgültigkeit der Postmoderne gehen. Oder wir können die Moderne verteidigen, das heißt die Aufklärung samt ihrer Fähigkeit zur Selbstkritik. Ich glaube, die Aufklärung ist tatsächlich das Fundament des Fortschritts, sowohl wissenschaftlich als auch praktisch und politisch.

Focus: Die Frage zielte eher darauf, ob Ihre Affinität zu diesem Thema das Agenda-Setting beeinflusst?

Neiman: Das tut es gewiss. Schon bei meinem Amtsantritt vor zwölf Jahren habe ich eine Rede über die Aufklärung gehalten. Sie spielt für mich immer eine große Rolle.

Focus: Sie wollen dazu beitragen, dass sich die Menschen ihres eigenen Verstandes bedienen?

Neiman: Genau. Was mich am 18. Jahrhundert so anzieht, sind die erstklassigen großen Geister: Rousseau, Voltaire, Diderot und viele andere Aufklärer waren großartige Schriftsteller. Einige waren an Universitäten gekettet, doch selbst die scheuten sich nicht, ihre Ideen in der Öffentlichkeit vorzutragen. Immanuel Kant hat 15 Aufsätze für die „Berlinische Monatsschrift“ geschrieben, eine Zeitschrift, die man mit dem heutigen „New Yorker“ vergleichen könnte. Und für sie hat er tatsächlich relativ verständlich geschrieben. Das heißt, die Kluft zwischen Elitewissenschaft und Allgemeininteresse, die gab es in der Aufklärung nicht! Insofern könnte ich sagen, das gesamte Einstein Forum steht unter diesem Motto: Es gibt keinen Widerspruch zwischen anspruchsvollem Denken, allgemeiner Verständlichkeit und Allgemeininteresse.

Focus: Sie haben eingangs die politischen Ziele genannt, die zur Gründung des Forums führten. Hat das Forum diese Ziele erreicht?

Neiman: Ich glaube, dass es uns gelungen ist, international zu sein. Nicht nur, indem wir immer wieder internationale Gäste zusammenbringen, sondern auch, indem wir versuchen, einen internationalen Stil in die deutsche Wissenschaft einzuführen. Sicherlich könnte es noch internationaler werden, und wir arbeiten daran. Auch die Ost-West-Balance ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen. Wir legen Wert darauf, immer wieder über Probleme und Fragen zu sprechen, die aus dem Osten kommen. Zum Beispiel haben wir kürzlich das Projekt „Dritte Generation Ost“ vorgestellt. Das ist eine Gruppe von jungen Menschen, die zwischen 1975 und 1985 geboren sind und noch Erinnerungen an die DDR haben. Sie diskutierten darüber, wie sie mit der Vergangenheit umgehen, wie sie mit ihren Eltern umgehen. Im letzten Sommer hatten wir einen größeren Workshop zum Thema Stasi und zu der Frage, was der Stasi-Vorwurf eigentlich bedeutet. Zusammen mit der Stasi-Beauftragten Ulrike Poppe haben wir eine Veranstaltung organisiert, auf der wir sowohl Stasi-Opfer gefunden haben als auch einen ehemaligen IM, der bereit war, in der Öffentlichkeit über seine Tätigkeit zu sprechen. Ich glaube, hier zahlt sich aus, dass ich als Amerikanerin weder west- noch ostdeutsch sozialisiert worden bin.

Focus: Sie sind mit mindestens drei Kulturen vertraut – der deutschen, der amerikanischen und der jüdischen. Empfinden Sie das als eine Bereicherung, oder führt es manchmal auch zu einem Gefühl der Fremdheit?

Neiman: Sowohl als auch. Gewiss haben mich die Stationen meines Lebens bereichert. Aber manchmal denke ich auch: Wenn ich ein zweites Leben hätte, würde ich an einem Ort bleiben und meine Kinder dort großziehen; das hat ja auch etwas für sich. In dieser Hinsicht ist Berlin ideal: Es ist ein wunderbarer Ort, um sich nicht zu Hause fühlen zu müssen. Das ist ungewöhnlich; selbst in einer Stadt wie New York gibt es die wirklichen New Yorker. Dagegen finden sich in Berlin nur ganz wenige, die bereit sind zu sagen: „Ich bin Berliner!“ Dieses Zugereiste aus der ganzen Welt, diese Offenheit für andere Kulturen macht es wirklich einfach, in Berlin zu leben. Ich fühle mich wohl hier – nicht zu Hause, aber besser als sonst wo.

Das Interview mit Susan Neiman in Caputh führten Ulrike Mertens, FOCUS, und Norbert Sack, Egon Zehnder, Berlin.

DAS EINSTEIN FORUM

Ein Laboratorium des Geistes. Eine interdisziplinäre Diskussionsplattform. Ein Experimentierfeld für unkonventionelle Entwürfe: Es mangelt nicht an Versuchen, das Einzigartige des Einstein Forums in Potsdam zu erfassen und auf den Begriff zu bringen. Unbestritten ist, dass das Forum 1993 vom Bundesland Brandenburg als ein Ort des internationalen wissenschaftlichen Austausches gegründet wurde. Es ist als Stiftung konzipiert und hat die Aufgabe, intellektuelle Entwicklungen zu diskutieren und die unterschiedlichen Disziplinen miteinander und mit der Öffentlichkeit in einen Dialog treten zu lassen. Mit der Ausrichtung von Vorträgen, Workshops und Tagungen will es zum einen dem Publikum einen Einblick in die Arbeit hervorragender zeitgenössischer Denker ermöglichen und zum anderen diese Denker selbst ermuntern, die Grenzen zu überschreiten, die der akademische Betrieb ihnen setzt. Neben den freien Vorträgen internationaler Referenten prägen Vortrags- und Tagungsreihen das Programm des Einstein Forums. Obgleich das Institut seine Arbeit nicht auf spezielle Forschungsthemen beschränkt, sondern sich inhaltlich ebenso wie in seiner Präsentation der Vielfalt und Offenheit verschrieben hat, lassen sich doch vier wichtige Themenfelder ausmachen, die aus verschiedenen Perspektiven – stets auch mit Bezug auf soziale Fragestellungen – wiederholt behandelt werden: Ethik und Gesellschaft, Geschichte als Gegenwart, Kunst und Wissen, Verständnis der Natur.

Das Programm trägt die Handschrift von Susan Neiman, die das Haus am Neuen Markt in Potsdam seit zwölf Jahren leitet. Die Moralphilosophin wurde 1955 in Atlanta geboren, wuchs in einem liberalen jüdischen Elternhaus auf, studierte in Harvard bei John Rawls und Stanley Cavell und ging 1982 mit einem Fulbright-Stipendium an die FU Berlin. Dort befasste sie sich mit der Philosophie der deutschen Aufklärung. 1986 wurde sie an Harvard mit einer Arbeit über „Die Einheit der Vernunft bei Kant“ promoviert. Bevor sie 2000 nach Potsdam kam, lehrte sie einige Jahre in Yale und Tel Aviv. Ihre vielfältigen Interessen und Kontakte haben das Erscheinungsbild des Forums geprägt und es zu einer international beachteten Leitinstitution gemacht, deren Programm in Kalifornien genauso wahrgenommen wird wie in Jerusalem.

Im Bemühen, die Vielfalt des Forums auf einen handlichen Begriff zu bringen, kann man sich ohne Zögern der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ der Bundesrepublik und der deutschen Wirtschaft anschließen: Sie zeichnete das Einstein Forum schon vor einigen Jahren als einen „Ort der Ideen“ aus, der einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschland leistet.

E pluribus unum: Gemäß dem Motto ihrer Heimat führt die amerikanische Philosophin Susan Neiman in Brandenburg die verschiedensten Personen und Ideen zusammen. Als Gastgeberin und Veranstalterin bringt sie in ihrem Institut ohne Rücksicht auf herkömmliche Grenzziehungen Künstler und Forscher, Natur- und Geisteswissenschaftler an einen Tisch, bittet das interessierte Publikum dazu und lädt zum Dialog ein. Eine Begegnung in Einsteins Sommerhaus in Caputh, wo der Wissenschaftler bereits Anfang der dreißiger Jahre herausragende Schriftsteller, Philosophen, Politiker und Künstler seiner Zeit traf.

FOTOS: URBAN ZINTEL

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