Egon Zehnder
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Nicht erst seit Dieselgate ist klar, dass die Automobilbranche vor enormen Veränderungen steht. Das vernetzte Auto steht vor der Tür, das fahrerlose ist bei weitem keine Utopie mehr. Die Digitalisierung rollt auf eine originär stark prozessorientierte Branche zu wie ein Tsunami auf eine Insel. Noch hat er sie nicht überflutet, doch das Wasser geht schon zurück. Der Anspruch der Branche, dem Kunden ein perfektes Produkt zu verkaufen, das langfristig geplant und am Ende eines kontinuierlichen Innovationsprozesses steht, ist nicht mehr alleiniges Unternehmensziel.

Mobilität wird zum Produkt

In der Zukunft werden nicht mehr nur Autos verkauft, sondern vor allem Mobilität. Automobilbauer werden Mobilitätsdienstleister. Dieser Trend ist nicht neu und begann noch vor der Jahrtausendwende. Er erinnert an die Entwicklung des Mobilfunks. Der Kunde will Mobilität und Flexibilität; die Plattform, welche dies ermöglicht, ist sekundär. Dabei wird er sich immer weniger auf einen Anbieter festlegen wollen so wie heute. Die neuen Geschäftsfelder reichen von Parkhäusern über Bahnhöfe, Regionalverkehr bis hin zu Carsharing. Unverzichtbar bei der Entwicklung von intermodalen Mobilitätskonzepten der Zukunft ist eine hohe Vernetzung aller Beteiligter. Man werfe nur einen Blick auf den Kartendienst Here und dessen zukünftige Ausrichtung als globale Internet of Things (IoT) Plattform der Mobilitätsindustrie.

Heute gilt mehr denn je: Schnelles Agieren in alle Richtungen ist eine zwingende Anforderung für die Top-Player der Branche. Nur, wer in der Lage ist, flexibel zu handeln, kann in der Digitalwelt mithalten. Kurze Produktzyklen erfordern veränderte Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen in kleinen agilen und netzwerkbasierten Teams. Das hat Konsequenzen für die eher zentrale Steuerung, wie sie zurzeit in der Industrie vorherrscht.

Ein CEO, der Brücken baut

Wenn die alte auf die neue Welt trifft, ist es Aufgabe des CEOs, Transformation zu steuern, Offenheit zu kommunizieren und Brücken zu bauen. Nur so kommen beide Welten zusammen. Das erfordert von den Führungskräften in der Automobilbranche Fähigkeiten, die über das technische Verständnis hinausreichen. Nicht ohne Grund besetzen ehemalige Manager aus dem Silicon Valley mittlerweile Spitzenpositionen in Automobilkonzernen weltweit. Auch sie haben übrigens mit den Herausforderungen, die „alte“ und die „neue“ Welt zusammenzuführen, zu kämpfen. Und natürlich bedeuten die neuen Anforderungen nicht, dass Automobilmanager nun alle in der Lage sein müssten, Software zu entwickeln. Vielmehr geht es um die Offenheit gegenüber digitalen Themen, die der Next Generation vertraut sind und einem Verständnis für die „alte“ Welt. Aufgabe eines CEOs ist es, die Organisation zu befähigen, die Digitalwelt im Unternehmen als gleichberechtigte Säule neben der klassischen Welt aufzubauen. Letztlich sind es diese neuen digitalen Logiken, die schon heute entscheidend sind. Gesucht wird nicht der beste Auto-, sondern der beste Brückenbauer.

Christian Rosen leitet die globale Automotive Praxisgruppe von Egon Zehnder.

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