Egon Zehnder
Suche
Select region
Close filter

Presse

In den Medien

Langweilig, traditionell und risikoavers – der Versicherungsindustrie haftet seit jeher ein etwas sprödes Image an. Das Umfeld war lange Zeit stabil, die Karrierewege verliefen in geordneten Bahnen. Doch verschiedene Faktoren wirken derzeit auf die Branche ein und zwingen diese zum Wandel – dadurch ergeben sich neue Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten, schreiben Moritz von Campenhausen und Dominik Schrader in einem Beitrag für die Versicherungswirtschaft.

Vor allem drei Faktoren sind es, die die Grundfeste der Assekuranz erschüttern, so die Autoren: Zum einen die Digitalisierung, die umfangreiche Vergleichs- und Wechselmöglichkeiten möglich macht, und damit den Preisdruck immens erhöht. Parallel dazu greifen InsurTechs alte Geschäftsmodelle an. Des Weiteren zwingen Regulierungsmaßnahmen im Zuge von Solvency II die Versicherer dazu, Geschäfte mit deutlich mehr Eigenkapital zu unterlegen als bisher, was zu einem wachsenden Markt von „Run-off Business“ geführt hat. Hinzu kommt die Niedrigzinspolitik der EZB, die massiv auf das Kapitalanlageergebnis drückt und einst sichere Einnahmequelle der Versicherer erodieren lässt.

„Erfolgreich werden diejenigen Unternehmen sein, die in der Lage sind, sich kontinuierlich und schnell zu wandeln“, konstatieren Moritz von Campenhausen und Dominik Schrader. Gleichzeitig bringt der Umbruch neue, spannende Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten mit sich. Was heißt dies für angehende Führungskräfte und ihre Karriereplanung? Die Zeiten berechenbarer Karrierepfade oder starrer Hierarchien sind passé. Erfolgreiche Führungskräfte schaffen heute ein motivierendes und inspirierendes Umfeld, in dem Mitarbeiter bereichs- und spartenübergreifend kreativ agieren können. Zusätzlich sollten sie ein hohes Maß an Empathiefähigkeit mitbringen, um „das große Ganze“ authentisch zu vermitteln: „Die Mitarbeiter müssen verstehen, warum und wofür sie arbeiten, jenseits aller materiellen und immateriellen Anreize“, so die Autoren. Dies impliziert auch die Etablierung einer Unternehmenskultur, die Fehler nicht als Scheitern, sondern als wichtige Erfahrung akzeptiert.

Wer den „kulturellen Schwenk“ aus den Führungsetagen heraus anleiten will, muss bei sich selbst ansetzen: „[…] Die Bereitschaft, sich selbst infrage zu stellen, die Komfortzone zu verlassen und sich nicht auf Position, Aufgabe oder Erfahrung zu berufen, ist ein wesentlicher Treiber für eine neue, moderne und flexible Kultur.“ Das bedeutet auch: Führungskräfte müssen über den eigenen Verantwortungsbereich hinaus denken – ohne dabei Bewährtes grundsätzlich für „falsch“ oder „veraltet“ zu erklären. „Eine Führungskraft muss den Spagat managen, Bewährtes und (noch) Funktionierendes zu bewahren (und mit Change zu verbessern) und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen. Das ist die eigentliche kulturelle Herausforderung: alt und neu!“

Moritz von Campenhausen und Dominik Schrader: “Spielfeld für Querdenker” in Versicherungswirtschaft, Seite 54-56, 02.10.2017.


Back to top