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Erfolgsfaktoren für HR-Verantwortliche in Familienunternehmen

  • Juni 2026
  • 3 Min. Lesezeit

Nähe gestalten, ohne sich zu verlieren

Erfolgreiche CHROs gestalten und nutzen das Vertrauen der Familie aktiv und warten nicht darauf, dass man sie einbezieht. Dazu schaffen sie regelmäßige, formalisierte Owner-Touchpoints, etwa wöchentliche oder monatliche Gespräche mit den Gesellschafter:innen. So verhindern sie, dass der Kontakt zwischen HR und Eigentümerfamilie vom Zufall oder von akuten Krisen abhängt.

Mindestens ebenso wichtig ist die Übersetzungsleistung: Entscheidungen der Familie müssen in die Organisation hinein vermittelt werden. Wenn die Eigentümer:innen eine strategische Richtungsänderung beschließen, sollte HR erklären können, was das für die Belegschaft bedeutet, welche Auswirkungen es auf Karrierepfade, Rollen und Teamstrukturen hat. Umgekehrt muss HR der Familie spiegeln, wie ihre Entscheidungen in der Organisation ankommen.

Die Grenze liegt da, wo Nähe in Vereinnahmung umschlägt. CHROs, die zum verlängerten Arm der Familie werden, verlieren ihre Glaubwürdigkeit in der Organisation. Umgekehrt büßt man den Zugang zu den wirklich relevanten Entscheidungsprozessen ein, wenn man auf professioneller Distanz besteht. Die Kunst ist es, beides gleichzeitig zu sein: Vertrauensperson und unabhängige Stimme.

Kultur spürbar werden lassen

Die Familie sollte bewusst in Formate eingebunden werden, in denen Kultur spürbar wird, beim Onboarding neuer Mitarbeiter:innen, bei Unternehmensveranstaltungen, im internen Storytelling

Werte sollten zudem über die reine Kommunikation hinaus in konkrete HR-Instrumente übersetzt werden: in Benefits, Führungsleitlinien und Rituale, die den Unterschied zu anderen Arbeitgebern erlebbar machen.

HR-Verantwortliche müssen auch blinde Flecken benennen können, ohne die kulturelle Identität zu beschädigen. Die Fähigkeit, Kultur gleichzeitig zu schützen und weiterzuentwickeln, ist eine der anspruchsvollsten Anforderungen an CHROs in Familienunternehmen.

Menschlich, aber konsequent führen

HR-Verantwortliche sollten eine saubere, würdige Trennungslogik etablieren, ein Konzept, das man als Fair Performance bezeichnen könnte. Es geht nicht darum, die Loyalitätskultur aufzugeben, sondern darum, innerhalb dieser Kultur konsequent zu handeln. Trennungen müssen möglich sein, aber sie sollten so gestaltet werden, dass sie die Werte des Unternehmens nicht konterkarieren.

Darüber hinaus müssen Führungspersönlichkeiten systematisch in Feedback und Konfliktfähigkeit geschult werden. Die oft datenarmen Personalentscheidungen „aus dem Bauch“, die in Familienunternehmen verbreitet sind, brauchen eine Ergänzung durch klare, nachvollziehbare Kriterien.

Entscheidungsbefugnisse sichtbar machen

Wenn es um Entscheidungswege geht, müssen HR-Verantwortliche auf drei Ebenen aktiv werden. Erstens braucht es klare Verantwortungs- und Entscheidungswege zwischen Familie, CEO und HR. Zweitens sollten CHROs informelle Machtstrukturen nicht bekämpfen, sondern produktiv einbinden.

Drittens ist die Professionalisierung von NextGen-Rollen eine Kernaufgabe für HR. Wenn die nächste Generation ins Unternehmen eintritt, braucht sie ein professionelles Onboarding, begleitendes Coaching und eine ehrliche Erwartungsklärung – sowohl gegenüber dem Familienmitglied als auch gegenüber der Organisation, die es aufnimmt.

Fazit: Der Sweet Spot zwischen Bewahren und Verändern

Familienunternehmen wird Integrität viel eher zugeschrieben als anderen Unternehmensformen. Dieser Vertrauensvorschuss ist ein enormer Vorteil. Er hilft im Kampf um Talente, sofern Unternehmen die eigenen Stärken nutzen – Werteorientierung, Langfristigkeit, persönliche Beziehungen – und sofern sie diese Stärken durch kluge Strukturen untermauern.

Der Vertrauensvorschuss hilft aber auch, wenn Veränderungen unumgänglich werden. Wo der Markt Agilität verlangt, können gerade Familienunternehmen agil sein und auf ein „Growth Mindset“ umschalten, eben weil sie auf diesem starken Fundament aus Werten und Vertrauen stehen. Die Kunst von CHROs in Familienunternehmen besteht dann darin, mit diesem Vertrauen in die Inhaberfamilie im Rücken die richtige Balance zu schaffen: zwischen Kontinuität und Offenheit, Tradition und Fortschritt, Bewahren und Verändern.

„Familienkultur kann Veränderung erstaunlich kraftvoll tragen. Gleichzeitig sorgt sie manchmal dafür, dass Gewohntes über Generationen Bestand hat.“

Philip Heßen – MIELE
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